Christian Hoffmann von Hofmannswaldau

 

 

(http://gutenberg.spiegel.de/autoren/hofmwald.htm)

 

Die Welt

 

Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?

Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?

Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,

Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht,

Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen,

Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt,

Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,

Ein faules Grab, so Alabaster deckt.

Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen

Und was das Fleisch für einen Abgott hält.

Komm, Seele, komm und lerne weiter schauen,

Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!

Streich ab von dir derselben kurzes Prangen,

Halt ihre Lust für eine schwere Last:

So wirst du leicht in diesen Port gelangen,

Da Ewigkeit und Schönheit sich umfaßt.

 

 

 

 

Beschreibung vollkommener Schönheit

 

Ein Haar so kühnlich Trotz der Berenice spricht /

Ein Mund / der Rosen führt und Perlen in sich heget /

Ein Zünglein / so ein Gift vor tausend Hertzen träget /

   Zwo Brüste / wo Rubin durch Alabaster bricht /

Ein Hals / der Schwanen-schnee weit weit zurücke sticht

Zwey Wangen / wo die Pracht der Flora sich beweget /

Ein Blick / der Blitze führt und Männer niederleget /

   Zwei Armen / derer Kraft oft Leuen hingericht /

Ein Herz / aus welchem nichts als mein Verderben quillet /

   Ein Wort / so himmlisch ist / und mich verdammen kann /

   Zwei Hände / derer Grimm mich in den Bann getan /

Und durch ein süssen Gift die Seele selbst umhüllet /

   Ein Zierrath / wie es scheint / im Paradies gemacht /

   Hat mich um meinen Witz und meine Freiheit bracht.

 

 

Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/hofmwald/gedichte/0htmldir.htm

 

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