ZUR ANALYSE VON WERBEBILDERN, -TEXTEN UND -SPOTS


Eine Werbung ist ein wohlüberlegter Appell, der mit der aktuellen, kulturellen und wirtschaftlichen Marktlage verflochten ist.

Zwischen den Aussageebenen besteht ein enger Zusammenhang:

Unter Denotat versteht man die schlichte Bezeichnung dessen, was zu sehen/zu hören ist (z. B. Bild- und Musikelemente, Gesprochenes, Geschriebenes).

Als Konnotat bezeichnet man die Botschaft, die über das Bezeichnete hinausgeht; z. B. Vorstellungen, die mit einer Aussage geweckt werden (wichtig für sprachliche Analyse).

Werbebotschaften sind meist nach der Struktur der AIDA-Formel aufgebaut:

A - attention (Aufmerksamkeit erregen)

I - interest (Interesse wecken)

D - desire (Wunsch = Besitzwunsch auslösen)

A - action (Handlung = Kaufhandlung erreichen)


Ein Werbetext ist affektiv besetzt. Er bietet die erwünschte und begehrte Möglichkeit, sich mit Personen zu identifizieren und in die dargestellte Szene eigene Wünsche oder Ängste zu projizieren.


Es gelten die Kommunikationsfaktoren:

Adressat, Absicht, Situation, Thema, Medium;

Sender, Empfänger, Absicht, Code, Wirkung


 

Werbung ist nach verschiedenen Aspekten aufgebaut:

 

Aspekte der Gestaltung:

Aspekte der Wirkung:

phatischer Aspekt: betrifft die Art der Kontaktaufnahme; befehlend, (be)drohend, schmeichelnd, vertraulich, behauptend

referentieller Aspekt: betrifft das Verhältnis des Werbetextes zum Gegenstand; im Vordergrund steht das Produkt als Träger von Eigenschaften, Bestandteilen und Wirkungen.

 

poetisch-rhetorischer Aspekt: betont die ästhetische Qualität und bedient sich sprachlicher Mittel, um die Aufmerksamkeit zu wecken; häufig eingesetzte Mittel sind: Lautmalerei, Rhythmus (Musik), Alliteration, Chiasmus, Parallelismus, Pathos, Vergleich soziologischer Aspekt: spricht die gesellschaftliche Zielgruppe an; untersucht Fragen wie "Welcher Lebensstil, welcher Lebensstandard wird suggeriert?" - "Welche gesellschaftliche Schicht wird angesprochen?" -  "Was wird als gesellschaftliche Norm suggeriert"? -
emotionaler Aspekt: präsentiert Werbetext als Erzeuger von Emotion; wichtige Elemente der Gestaltung sind Superlativ, Übertreibung, Schrei, Wiederholung; dieser Aspekt ist sowohl gestalterisch als auch effektorientiert undhat für die Suggestion große Bedeutung (Suggestion: Beeinflussung eines Menschen mit dem Ziel, ihn zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen, ohne dass es dem Betroffenen bewusst wird) (tiefen)psychologischer Aspekt: beschäftigt sich mit der Frage, welche Verbraucherbedürfnisse angesprochen und suggeriert werden bzw.  an welche Triebstrukturen eine Werbung appelliert
  ideologiekritischer Aspekt: untersucht Fragen wie  "Welche Rollenklischees tauchen immer wieder auf?" - "Welche Wertorientierung steht im Vordergrund?" - "Welches Weltbild wird vermittelt?" - "Wird durch die Aussage eine politische Interessenlage deutlich?"

 


Der Philosoph H. Marcuse sagte über Werbung:

Die Menschen erkennen sich in ihren Waren wieder; sie finden ihre Seele in ihrem Auto, TV-Set und in ihrer Küche.

In diesem künstlichen Paradies, das dem Einzelnen die perfekte Erfüllung seiner Wünsche suggeriert, herrscht eine "komfortable, reibungslose, vernünftige Unfreiheit".

Werbung erweckt den Eindruck einer ungemein dynamischen Gesellschaft, die dem Konsumenten immer mehr Anreize bietet, seine vermeintlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Eine glitzernde Scheinwelt wird inszeniert, um den tiefsten Sinn der menschlichen Existenz zu verdeutlichen: "Du sollst konsumieren!"

Dieser Aspekt der totalitären Industriegesellschaft ebnet soziale Gegensätze ein, die politische Opposition wird neutralisiert, die Medien gleichgeschaltet, die Kultur zur gut dotierten Hochkultur stilisiert.

Das perfekte Management dieser Warenwunderwelt lässt keine substantielle Veränderung erwarten. Dem Unangepassten bleibt nur die "große Verweigerung".


Gehe bei der Analyse von Werbespots nach folgendem Schema vor:

1. Schritt: Welche "story" wird erzählt?

2. Schritt: Wie sind die Elemente der AIDA-Formel eingesetzt?

3. Analysiere die Aspekte der Gestaltung!

4. Analysiere die Aspekte der Wirkung!


© Andreas Deschka


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