Mozart und die Freimaurer
Am 10. Mai 1781 beendete der Fußtritt eines erzbischöflichen Angestellten das Arbeitsverhältnis Mozarts mit dem Erzbischof von Salzburg. Mozart verließ Salzburg, Wien wurde seine neue Heimat. Nach den Jahren provinzieller Enge in Salzburg begann für ihn in der kaiserlichen Residenz eine kurze Zeit glücklichen Schaffens und außerordentlicher beruflicher Erfolge.
Kaiser Joseph II., ein Sohn Maria-Theresias, leitete weitgehende Reformen ein, die die Befreiung seiner Untertanen von kirchlicher Bevormundung erhoffen ließen. Um den jungen Kaiser sammelten sich fortschrittlich gesinnte Männer, die sich für jegliche Neuerungen im Staatswesen einzusetzen bereit waren. Viele dieser Reformer fanden sich auch in den neugegründeten Freimaurer-Logen zusammen, in denen die Gleichheit aller Menschen, die Achtung der Menschenwürde, Toleranz und Brüderlichkeit zum Gebot erhoben wurden. - Diese fortschrittlich gesinnten Männer, vorwiegend den führenden Kreisen der Wiener Gesellschaft angehörend, nahmen Mozart als Gleichen unter Gleichen auf. Mozart gab Konzerte, die sogenannten Akademien.
In den Adelshäusem, in denen er freundschaftlich verkehrte, fanden Soireen statt, in denen er vorwiegend eigene Werke aufführte. Er bekam reichlich Kompositionsaufträge, und nicht zuletzt verschaffe ihm ein großer Schülerkreis finanzielle Unabhängigkeit. Die Oper Die Entführung aus dem Serail", 1782 am Burgtheater uraufgeführt, war ein großer Erfolg. Kaiser Joseph ernannte ihn zum Kammermusikus" mit einem nicht unbeträchtlichen Ehrensold, doch eine weitere Förderung durch den kaiserlichen Hof blieb wegen permanenter Finanzschwierigkeiten aus. Von seinen Freunden, Bekannten und Gönnern gehörten viele zu den Reformern. Er hatte freundschaftlichen Kontakt zu zahlreichen Künstlern, Wissenschaftlern, liberalen Adligen und Bürgern und auch zu Geistlichen, die den Ideen der Aufklärung nahe standen und die fast alle einer der zahlreichen Wiener Freimaurer-Logen angehörten.
Auch Mozart war von den aufklärerischen Ideen fasziniert, vor allem von dein Ideal der Gleichheit. Er hatte Standesdünkel und aristokratischen Hochmut auf seinen Konzertreisen und im Dienst des Salzburger Erzbischofs zur Genüge kennengelernt. Seine Briefe aus Paris zeigen deutlich, dass er die Arroganz des französischen Adels hasste und verachtete.
Mozart war kein Revolutionär, aber als Künstler war er freiheitsliebend und betonte im Verkehr mit seinen adligen Freunden in Wien immer seine Unabhängigkeit.
Eigentlich war es nur noch eine Frage der Zeit, wann Mozart selbst an das Tor einer Freimaurer-Loge anklopfte, um in den Bruderbund aufgenommen zu werden. Diese Aufnahme erfolgte dann auch am 14. Dezember 1784 in der Loge Zur Wohlthätigkeit", einer kleinen, aber feinen Wiener Loge. Nach einer nur knapp dreiwöchigen Lehrlingszeit wurde er am 7. Januar 1785 zum Gesellen befördert. Das genaue Datum einer Meistererhebung ist nicht bekannt, er nahm aber am 22. April 1785 an der Erhebung seines Vaters Leopold teil, musste zu diesem Zeitpunkt also bereits Meister sein.
Mozart war Freimaurer mit Leib und Seele. Wie aus den erhalten gebliebenen Logenprotokollen hervorgeht, nahm er sehr oft an den Arbeiten seiner Loge teil und wird auch häufig als besuchender Bruder in Protokollen anderer Logen erwähnt. Wie wertvoll ihm die Zugehörigkeit zum Bruderbund war, macht die Tatsache deutlich, dass auf sein Betreiben hin zwei Männer, die ihm viel bedeuteten, Freimaurer wurden. Es waren dies sein Vater Leopold und sein väterlicher Freund und Bewunderer Joseph Haydn.
Mozarts freimaurerische Beziehungen reichten weit über Wien hinaus. Besonders eng waren die Bindungen zur Prager Loge Zur Wahrheit und Einigkeit", der ähnlich wie in Wien, viele Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens der böhmischen Metropole angehörten. Anlässlich der Aufführung des Don Giovanni" in Prag, die ein triumphaler Erfolg wurde, feierte man Mozart in der Loge und ehrte ihn hoch. Auch als in Wien sein Stern zu sinken begann, hielten ihm seine Prager" unerschütterlich die Treue.
In Wien und der gesamten Monarchie wurde die Situation für die Freimaurerei ab dem Jahre 1785 kritisch. Die rasche Entwicklung der Logen und ihr zunehmender Einfluss auf das politische und geistige Leben Wiens und Österreichs gingen dem Kaiser denn doch zu weit. Der Reformer bekam kalte Füße", und er erließ im Dezember 1785 das berühmt-berüchtigte Logenedikt. Durch dieses Edikt zwang er die Wiener Logen, sich auf höchstens drei zu verringern (zur Blütezeit der Freimaurerei gab es in Wien 8).
Diese drei verbliebenen Logen durften jeweils nicht mehr als 180 Mitglieder haben. So verloren auf einen Schlag mehr als die Hälfte der Wiener Freimaurer ihre Logenzugehörigkeit. Daraus ergaben sich unzählige Probleme und Verwechslungen, die auch die späteren Forscher immer wieder in Verwirrung brachten. Schlimmer noch, es kam zu einer dramatischen Verschlechterung der Lage für die Freimaurerei im gesamten Kaiserreich. Viele Logenbrüder wurden in den Logenlisten nicht mehr geführt, viele wollten nicht mehr, dass ihre Namen weiterhin in den Logenlisten geführt wurden, da diese Listen jetzt bei den Behörden hinterlegt werden mussten, jenen Behörden, aus denen später die Mettenich'sche Geheimpolizei hervorging.
Trotz aller Widerlichkeiten hielt Mozart weiterhin Kontakt zu seinen Brüdern. Zwar geben die aus dieser Zeit erhaltenen Logenarchive aus den geschilderten Gründen über die Anwesenheit und über die Mitarbeit Mozarts kaum Auskunft, dass er aber im Herbst 1791, kurz vor seinem Tode, in der Loge Zur neugekrönten Hoffnung" seine Kleine Freimaurerkantate" dirigierte, beweist, dass er weiterhin am Logenleben teilnahm. Mozart strebte nie ein Amt in der Loge an, er bringt sich aber durch seine Musik ein.
Neben der Durchsetzung humanitärer Ziele und tätiger Hilfsbereitschaft hatten die Brüder die Verpflichtung, das Wohl der brüderlichen Gemeinschaft nach Kräften zu fördern. Mozart hat die in dieser Hinsicht in ihm gesetzten Erwartungen voll erfüllt.
Er komponierte Lieder für die rituellen Arbeiten der einzelnen Grade, aber auch größere Werke für festliche Gelegenheiten oder für besondere Anlässe. So sind neben einigen Liedern mehrere Kantaten für Chor, Orchester und Solostimme erhalten, auch reine Instrumentalmusik, wie die berühmte, wunderbare Trauermusik, die bei Trauerfeiern der Loge erklang und noch heute erklingt.
Wolfgang Amadé Mozart
Nach dem Tode Mozarts
Mozart und die Freimaurer
Mozart's Geburtshaus