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Entwurf / 2. Jahrgang (9 Wochenstunden mit Übungen)
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| Gegenstand | Klasse |
Entwurf / 2. Jahrgang (9 Wochenstunden mit Übungen)
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| Thema |
Collage Teil 1 |
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| e-teaching-Nr. |
im Rahmen des Notebookprojekts des bm:bwk
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| Autor |
Mag. Eva Völkel |
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| Lehrziel |
Vermittlen von Wissen über die Collage in der Kunstgeschichte als Vorbereitung für das Projekt "Kunst und Werbung - Collage" |
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Pablo Picasso, Stillleben mit Violine und Früchten, 1913 Georges Braque, Glas, Karaffe und Journal, 1913/14 Frans Cuyck van Meyerop, Tromp-l’œil mit toten Vögeln, 1670 Cornelis Norbertus Gijsbrechts, Quodlibet (Steckbrett), 1655 Kurt Schwitters, Mz 600, Leiden, 1923 Raoul Hausmann, ABCD, 1923 Max Ernst, Der Briefträger Cheval, 1929/30 Herbert Bayer, Selbstportrait, 1932 Marcel Duchamp, Mona Lisa - „assisted ready-made“, 1916 Robert Rauschenberg, Tracer, 1964 |
Was ist das?
Der Begriff Collage (franz. coller = leimen) ist die Bezeichnung für ein künstlerisches Verfahren, bei dem reale oder imitierte Materialien wie Stoff, bedrucktes oder unbedrucktes Papier, Fotos, Stiche u.a. zu einem Bild zusammengefügt werden. Diese Kunst der Montage wurde zuerst von den Künstlern des Kubismus (franz. cube = Würfel) ab 1907 in Paris entwickelt. Der Kubismus ist auf den Formprinzipien Paul Cézannes aufgebaut. Die frühen „Papiers collés“-Experimente von Pablo Picasso und Georges Braque kündigten eine neue Formensynthese an, die für weitere Stilrichtungen des 20. Jhd. folgenreich war - Dadaismus, Surrealismus, Futurismus, Konstruktivismus, Objektkunst. Ein besonderes Anliegen der Kubisten der ersten Stunde war die Auseinandersetzung mit der Gegenstandsrealität. Die partielle Verwendung von Bruchstücken des Alltags im Bild wurde nicht als technisches Verfahren begriffen, sondern die Absicht verfolgt, näher an die Wirklichkeit heranzu-kommen, um damit den Realitätscharakter der Komposition auch in einer abstrahierten Formensprache zu erreichen. So verwendete Picasso Druckbuchstaben und Ziffern aus Zeitungen und von Plakaten, Braque auch gemusterte Tapeten. Ab 1912 fertigten die beiden Künstler Papier-Skulpturen und entwickelten Konstruktionen aus Papier, Blech und Holzstücken. Die Wurzeln Vorformen von Collagen finden sich in Trompe-l’œil-Gemälden und Quodlibets, auch in Werken der Volkskunst und des Kunsthandwerks - nicht zu vergessen in Poesiealben. Trompe-l’œil (franz. Augentäuschung) ist seit dem 19. Jhd. die international gültige Bezeichnung für einen Bildillusionismus, in dem das Auge des Betrachters über den Malvorgang hinweggetäuscht wird und den Bildgegenstand in einer äußerst naturalistischen Darstellung als wirklichen Gegenstand zu erkennen glaubt.Quodlibet (lat. was beliebt) ist eine spezielle Stilllebenform des Trompe-l´œil - ähnlich der musikalischen Form des Potpourri - eine präzise bildliche Darstellung als illusionistische Widergabe von beliebigen, kleinteiligen Alltagsgegenständen. Künstler dieses Genres versuchten in einem wie zufälligen Arrangieren von z.B. Buchseiten, Briefen, Spielkarten, Notenblättern, Stichen, Schreibutensilien u.a. einen realen Zustand vorzu-täuschen. Die größte Verbreitung erlangten Quodlibets in Holland, im späten 17. Jhd. bis zum frühen 19.Jhd., wo sie „bedriegertje“, Betrügerchen, genannt wurden. Zu diesen Vorläufern steht die Collage als ein ganz bewusst eingesetzes künstlerisches Ausdrucksmittel am Anfang der klassischen Avantgarde, sie gab den Künstlern unterschiedlichster Stilrichtungen wichtige Impulse. Den Höhepunkt in der Entwicklung der Collage bilden die dadaistischen Werke („Merzbilder“) von Kurz Schwitters. Charakteristisch, auch für seine Arbeitsweise, war das Sammeln von aufgelesenem Abfall - eine Tätigkeit, die ausgesprochen dadaistisch war, indem sie traditionelle Materialien der Kunst durch „unverfälschtes Leben“ ersetzte. Seiner Ansicht nach sollte es jedem Künstler freistehen, ein Bild aus nichts als Löschpapier zu schaffen, vorausgesetzt, er sei überhaupt in der Lage, dergleichen zu schaffen. Schwitter’s Abfallkunst geht weit über die Haltung der Dadabewegung hinaus; in seinen subtilen und vorzüglich ausgewogenen Collagen, die auch die gegenwärtige Kunst beeinflusst haben, wurde der Kehricht der zerschlagenen Welt des Ersten Weltkriegs und auch der Zeit danach, zu Kompositionen von großer Schönheit zusammengefügt, die den anderen Dadaisten alle ästhetisch vorkamen. Ein weiterer Repräsentant der Collage ist Jean Arp, Maler, Grafiker, Bildhauer und Dichter; Mitbegründer von Dada (Zürich 1919/1920 Köln) und des Surrealismus in Paris, hatte großen Einfluss auf die abstrakte Dichtung mit seinen „materialen Texten“. Max Ernst, franz. Maler und Plastiker, wie Arp deutscher Herkunft, stellte seine Collage-Romane in illustrativer Serienform mit Bildelementen aus Holzstichen des 19. Jhdts., Inseraten aus Zeitungen, aus Kolportageromanen und aus Katalogen zusammen. Die Phantasie des Betrachters wird durch seine magisch – bedrängende Bilderwelt, die aus sinnwidrig kombinierten Elementen besteht, angeregt, gleichzeitig durch die Gefühlskälte, die seinen Bildern eigen ist, geschockt. Mit den "antikünstlerisch" eingesetzten Dada - Manifesten erreichte die Collagenform eine aggressive Aussage, die auch in den Fotomontagen von Herbert Bayer erkennbar ist. Marcel Duchamp, franz. Maler, Objekt- und Konzeptkünstler, begann mit kubistischen Kompositionen, in die er die Bewegungsdimension einführte. Er war führender Vertreter der New Yorker Dadaisten und beschränkte sich in seinen Materialbildern auf geringfügige Eingriffe, sog. korrigierte Readymades. Seine eigentlichen Readymades haben weit über das Prinzip der Collage hinausgewiesen, Begriffe wie Kunstwerk und Wirklichkeit für seine handelsüblichen Gegenstände, mußten im Gegensatz zur traditionellen Kunstbewegung, um die Mitte des 20.Jhdts. neu definiert werden. ARTEN DER COLLAGE Die künstlerische Collage "...Die formale Integration soll garantieren, dass die Bildkomposition sinnvoll konstruiert ist, dass Farben und Formen aufeinander abgestimmt sind, dass sich ein Baum in die vorgegebene Bildperspektive größenmässig richtig oder absichtlich falsch einordnet.- Die Integration von Bedeutungen ist untrennbar mit der formalen Integration verbunden, setzt aber den Schwerpunkt bei der stimmigen Verbindung von Bedeutungen und Bildaussagen."(Eid/Ruprecht) Papiercollage Bei der Papiercollage wird ausschließlich mit unbedrucktem Papier gearbeitet, das farbig, durchsichtig, zerknittert, zerrissen, gefaltet, durchlöchert, zerkratzt u.a. sein kann. Die Papiercollage lebt vom Strukturkontrast des Papiers - die Materialbilder vom Materialkontrast. Reizbild - Collage Kennzeichen der Grafikcollage ist der "Bruch der Teile" als gegeneinander gesetzte Bildfragmente. Der "Reiz" liegt darin, dass obwohl Größen, Perspektiven, Bildmaterial usw. nicht stimmen, die Übergänge der Bilder so perfekt montiert sind, dass die Einheitlichkeit des Eindrucks dominiert und trotzdem Täuschung und Irritation entsteht. Buchstabencollage Kennzeichen dieser geklebten Papierbilder ist, dass Buchstaben, Silben, Worte oder Sätze ihrer pragmatischen Funktion beraubt sind. Sie sind ohne Bedeutung und werden als Gestaltungsmittel verwendet. "Das Sprachmaterial verwandelt sich in die Gleichzeitigkeit von Textinhalt und Textform. Die Sprachbruchstücke in Textfiguren und -bildern fordern mit ihren isolierten, zerbrochenen und verwischten Bedeutungsrelikten dazu auf, neue Sinnzusammenhänge zu suchen." (Eid/Ruprecht) Decollage Die Collage entsteht durch Addition von Teilbildern, die Decollage durch Auflösung - sie entsteht an jeder Plakatwand, wenn die Schichten übereinander affichierter Plakate heruntergerissen werden. Ziel der Decollage ist es, verborgenen Realitäten zu entdecken, sichtbar zu machen, ohne neues Material zu Hilfe zu nehmen. Rollage Man nimmt mehrere gleichartige Bilder als Ausgangsbasis und schneidet diese in gleich breite Streifen (längs oder quer), die man dann regelmäßig mischt und zu einem Bild zusammensetzt. "Die Ergebnisse zeigen das ursprüngliche Bild überdehnt und vervielfältigt, verzerrt und facettenhaft gebrochen, als erschiene es in einem magischen Spiegel des Manierismus. Das ursprüngliche Bild ist um ein serielles Moment bereichert, das zu einer neuen, geometrisch betonten, manchmal fast symmetrisch wirkenden Ordnung führt, indes sich der illusionistische Bildraum des Originals in einen abstrakten, künstlichen Raum ohne Tiefe verwandelt. Gleichzeitig kommt Rhythmus, Bewegung, Vibration ins Bild, das sich dadurch als eine neue dynamische Form zu erkennen gibt."(Wieland Schmied) Fotocollage Ausgangspunkt dieser künstlerischen Stilrichtung war die Fotomontage. Sie erfreute sich, außer im künstlerischen und politischen Bereich, auch bei selbst gefertigten Postkarten großer Beliebtheit - z.B. indem man einer fremden Figur den eigenen Kopf aufsetzte. Als eigenständige Kunstform sind die Lichtmontagen in der Dunkelkammer zu erwähnen. Kenntnisse der Labortechnik sind die Grundlage, um Mehrfachbelichtungen, Eingruppierungen oder Verwischungen zu erreichen. Das Fotogramm ermöglicht eine realitätsgetreue Abbildung in einer Ebene, indem man dreidimensionale Gegenstände auf lichtempfindliches Trägermaterial auflegt, belichtet und anschließend einer fotochemischen Behandlung unterzieht. Manipulierte Fotokopien sind auch eine Art der Fotocollage, bei der das Kopiergerät zum kreativen Gestaltungsmittel avanciert. Materialbild Künstlerischer Ursprung sind Textilcollagen:" Kleider, seien es zerrissene Arbeitskleider oder kostbare dekorative Prunkgewänder, sagen viel über Menschen aus, die sie getragen haben. Das Hemd etwa mitsamt den Löchern, die sein Träger hinterlassen oder ausgebessert hat, rufen Erinnerungen, Assoziationen und Schicksale ins Gedächtnis."(Waldschmidt) Montage und Assemblage Begriffe für dreidimensionale Collagen. Hier geht es um die Collage mit räumlichen Elementen, ganz gleich ob man daraus etwas aufbaut (Montage) oder etwas ansammelt (Assemblage). Dazu gehören die Readymades = ein industrieller Gegenstand wird aus seinem eigentlichen Gebrauchszu-sammenhang genommen und mit geringfügigen Veränderungen zum Kunstwerk erklärt. DIE COLLAGE IN DER WERBUNG Während alle künstlerischen Tätigkeiten ein gewisses Talent und mehr oder minder auch eine dementsprechende Ausbildung voraussetzen, kann die Collage von jedermann ausgeführt werden. Die Papiers-collés sind, provokant ausgedrückt, eine Technik für Ungeübte, für Laien, die ihre Gefühle, Ideen und Vorstellungen damit mitteilen können. Leider geschieht es so - in unserer Zeit, in der Marktforschung konstatiert und weniger inspiriert, dafür der Wirtschaftserfolg durch Kleinigkeiten bestimmt ist, Geschmack sich nach fraglichen Modetrends richtet und nur Präzision in der Kommunikationsgestaltung gewünscht ist, da ist die Collage nicht als intelligentes Qualitätsprodukt gefragt, sondern zur Bastelaktivität heruntergekommen. Die Collagen am Bildschirm - Zufallsprodukte von Sekretärinnen, Hausfrauen, Schulabbrechern mit Computer - Bild und Text ein Chaos in einem vorgegebenen Format, mehrseitig und möglichst bunt, als Postwurfsendung oder Zeitungsbeilage, billig soll es sein und so schauen die Collagen auch aus. Die Collage in der Werbung benutzt nicht nur die reale Welt und das Produkt,ein reales Ding, als Gestaltungsmittel. Von den letzten Jahrzehnten des 20.Jhd. und bis heute hat auch die bildende Kunst als "Vorwand" für manche mehr oder weniger gelungene Werbekampagnen herhalten müssen, wobei so manche Sujets schon überstrapaziert wurden, wie Michelangelos Fresko aus der Sixtinischen Kapelle, der Fingerzeig Gottes - so überreicht Gottvater Adam entweder Jeans oder ein Stück Würfelzucker, oder wird für einen Zeitschriftenumschlag zu einer rebellischen Frau. Michelangelo ist immer gut, und so wirbt sein "David" für Unterwäsche oder die Kraftkammer und noch vieles mehr. Was passierte Leonardo da Vinci´s "Mona Lisa", die nicht nur in der modernen Kunst schon einiges über sich ergehen lassen mußte? Sie wirbt unter anderem für Alkohol oder Schönheitsmittel. ZUR AUFGABENSTELLUNG Eine Collage mit künstlerischem Niveau muss geplant entstehen: 1. d a s T h e m a (= Produktauswahl, wenn nicht vorgegeben) 2. d i e L e i t l i n i e 3. d i e I d e e Diese drei Teile müssen bewußt gewählt und logisch nach den Regeln der Komposition arrangiert werden, sodass sie zu einer Einheit verschmelzen. "Die Collage soll keine von Bastelarbeit getragene Illusion, sondern eine individuell organisierte Sprache der Dinge sein. |
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